SPS-Integration des Strompreis-Signals: Was Elektrobetriebe wissen müssen
TL;DR: Das Stromfee-System überträgt den aktuellen Börsenstrompreis als vier digitale Schaltzustände an die SPS. Die Anlage reagiert dadurch automatisch auf Preisstufen – ohne Cloud-Abhängigkeit im Steuerungspfad. Der Aufwand für die SPS-Einbindung ist gering, wenn Eingangsparameter, Steuerungslogik und Fallback korrekt geplant sind.

Warum Strompreise direkt in die SPS gehören
Biogasanlagen, BHKW und größere industrielle Verbraucher können ihren Energieeinsatz flexibilisieren – aber nur, wenn die Steuerung rechtzeitig weiß, was Strom gerade kostet. Eine rein manuelle Beobachtung des Spotmarkts ist im laufenden Betrieb nicht praktikabel. Das Stromfee-System löst dieses Problem, indem es Tagesvorauspreisinformationen auswertet und als einfache digitale Signale an die vorhandene SPS weitergibt. Die SPS bleibt damit das eigentliche Steuerungsgehirn – sie bekommt lediglich einen zusätzlichen Eingangsparameter.
Entscheidend ist: Im Steuerungspfad selbst besteht keine Cloud-Abhängigkeit. Fällt die Kommunikation zum Stromfee-System kurzzeitig aus, bleibt die SPS handlungsfähig, sofern ein Fallback definiert ist.
Das Vier-Kontakt-Konzept im Detail
Die Schnittstelle basiert auf vier potenzialfreien Schließkontakten. Jeder Kontakt repräsentiert eine Preisstufe des Tagesvorausmarkts:
- Kontakt 1 – Niedrigpreisphase: Der Preis liegt im unteren Bereich des Tagesbands. Energieintensive Prozesse können länger laufen oder vorgezogen werden.
- Kontakt 2 – Preis unter Tagesmittel: Moderate Preislage; Prozesse mit mittlerem Bedarf werden ohne starke Einschränkung betrieben.
- Kontakt 3 – Preis über Tagesmittel: Flexible Lasten werden gedrosselt oder verschoben.
- Kontakt 4 – Hochpreisphase: Energiesparmaßnahmen greifen; nicht zwingend nötige Verbraucher werden abgeschaltet.
Die Kontakte werden zyklisch vom Stromfee-System aktualisiert. Die SPS liest den aktuellen Zustand beim nächsten Scan-Zyklus. Weil jeweils nur einer der vier Kontakte geschlossen ist, lässt sich der Signalzustand als einfacher Zustandsautomat abbilden.
SPS-Einbindung Schritt für Schritt
Die eigentliche Programmierarbeit gliedert sich in drei Abschnitte:
- Eingangsdeklaration: Die vier physischen Eingänge werden im SPS-Projekt als diskrete Eingangsbausteine (DI) angelegt und mit sprechenden Variablennamen versehen – zum Beispiel SP_Niedrig, SP_UnterMittel, SP_UeberMittel, SP_Hoch.
- Steuerungslogik: Für jede Stufe werden Aktionen definiert. Das kann über eine einfache IF-THEN-Struktur oder einen CASE-Block erfolgen. Welche Aggregate, Pumpen oder Heizkreise in welcher Stufe laufen dürfen, hängt vom jeweiligen Anlagenkonzept ab.
- Fallback-Logik: Wenn alle vier Kontakte offen sind – etwa weil das Stromfee-Gerät neu startet oder die Verbindung unterbrochen ist – muss die SPS in einen definierten Normalbetrieb wechseln. Ein typischer Ansatz ist, den Zustand der letzten gültigen Stufe für eine begrenzte Zeit beizubehalten und danach auf einen konservativen Standardbetrieb zurückzufallen.
Stolperfallen aus der Praxis
Bei der Einbindung tauchen wiederkehrende Probleme auf, die sich mit etwas Vorplanung vermeiden lassen:
- Prellen und kurze Schaltwechsel: Beim Wechsel zwischen Preisstufen können die Kontakte kurzzeitig flackern. Eine Entprellzeit von einigen Sekunden im SPS-Programm verhindert ungewollte Schaltvorgänge an Aggregaten.
- Kabelführung und Störeinstrahlung: Digitale Eingänge sind empfindlich gegenüber induzierten Spannungen, besonders in der Nähe von Frequenzumrichtern. Abgeschirmte Leitungen und korrekter Schirmauflage am Schaltschrankeingang sind Pflicht.
- Fehlende Prioritätsregeln: In manchen Anlagen gibt es Mindestbetriebszeiten für Fermenter oder gesetzliche Anforderungen an die Netzeinspeiseleistung. Die Strompreisstufe darf diese Anforderungen nicht einfach überschreiben. Die Steuerungslogik muss Prioritäten explizit abbilden.
- Kein Zeitstempel am Signal: Das digitale Kontaktsignal trägt keine Zeitinformation. Wenn die SPS wissen muss, seit wann eine Stufe aktiv ist, muss sie den Zeitpunkt des Signalflanken-Wechsels selbst aufzeichnen.
- Fehlende Visualisierung: Für Anlagenbetreiber und Servicetechniker ist es hilfreich, die aktuelle Preisstufe und die daraus resultierende Betriebsart im HMI anzuzeigen. Wird das vergessen, ist die Anlage bei Störungssuche schwer nachvollziehbar.
Fazit
Die Einbindung des Stromfee-Systems in eine vorhandene SPS ist technisch unkompliziert. Der wesentliche Aufwand liegt nicht in der Programmierung der vier Eingänge, sondern in der sorgfältigen Planung der Steuerungslogik: Welche Prozesse dürfen in welcher Preisstufe laufen, welche Prioritäten gelten, und was passiert, wenn kein Signal anliegt? Wer diese drei Fragen vor der Umsetzung klärt, kann die Integration an einem Arbeitstag abschließen. Das Ergebnis ist eine Anlage, die ihren Energieeinsatz automatisch am Strommarkt orientiert – ohne dass der Betreiber täglich eingreifen muss.
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