BHKW im Winter: So schneiden die Heizsysteme im Umweltvergleich ab

Du willst wissen, ob ein BHKW im Winter umweltfreundlicher heizt als Wärmepumpe, Gas- oder Ölkessel. Hier bekommst du den direkten Vergleich – ohne Marketing, mit den entscheidenden Stellschrauben.
Ein pauschales „Gewinner-System" gibt es nicht. Über das ganze Jahr hat eine Wärmepumpe mit guter Jahresarbeitszahl (JAZ 3–4) meist die niedrigsten CO₂-Emissionen, weil sie Umweltwärme nutzt. Ein Erdgas-BHKW spielt seine Stärke aber gerade im Winter aus: Es erzeugt Wärme und Strom gleichzeitig und verdrängt dabei Netzstrom, der im Winter überdurchschnittlich fossil (Gas/Kohle) ist. Ein Öl- oder reiner Gaskessel liegt in jedem Szenario hinten. Betreibst du das BHKW mit Biomethan oder Biogas, ist es die emissionsärmste Verbrenner-Option überhaupt.

Zwei Winter-Effekte helfen dem BHKW: Erstens ist der Wärmebedarf hoch, sodass die Anlage lange auf Volllast läuft – wärmegeführt und mit hohem Gesamtnutzungsgrad (gute Erdgas-BHKW erreichen rund 85–90 %). Zweitens ist der von deinem BHKW erzeugte Strom eine Gutschrift: Er verdrängt Netzstrom, der im Winter (wenig Solar, mehr fossile Kraftwerke am Netz) besonders CO₂-intensiv ist. Genau dann ist die Verdrängung am wertvollsten. Im Sommer kehrt sich das um – dann fehlt Wärmebedarf und der verdrängte Strom ist grüner.

Die Wärmepumpe bleibt übers Jahr das emissionsärmste System – vorausgesetzt die JAZ stimmt. Im Winter greifen aber zwei Bremsen: Bei tiefen Außentemperaturen sinkt der COP einer Luft-Wärmepumpe (mehr Strom pro kWh Wärme), und gleichzeitig ist der Strommix schmutziger. Eine Sole-/Erdwärmepumpe federt den ersten Effekt durch stabile Quellentemperaturen ab. Rechne im Umweltvergleich also nicht mit dem Norm-COP, sondern mit der realen Winter-Arbeitszahl deines Gebäudes.

Als Orientierung für den direkten Vergleich (Emissionsfaktoren, gerundet): Heizöl liegt bei rund 0,27 kg CO₂ je kWh, Erdgas bei rund 0,20 kg CO₂ je kWh. Ein Kessel verbrennt diesen Brennstoff nur zu Wärme; das BHKW nutzt denselben Brennstoff doppelt (Wärme + Strom) und bekommt für den Strom eine Emissionsgutschrift. Die Wärmepumpe verursacht selbst keine Emissionen vor Ort – ihre Bilanz hängt allein am Stromfaktor geteilt durch die Arbeitszahl. Konkrete Zahlen für dein Objekt ergeben sich erst aus Nutzungsgrad, JAZ und dem angesetzten Strommix.

Damit der Umweltvergleich belastbar wird, halte diese vier Größen fest: (1) Brennstoff des BHKW – Erdgas oder Bio? (2) Gesamtnutzungsgrad des BHKW über den Winter, nicht der Prospektwert. (3) Reale JAZ der Wärmepumpe im kältesten Betriebspunkt. (4) Welcher Strommix wird angesetzt – Jahresdurchschnitt oder Winter-/Grenzstrom? Vergleichst du BHKW gegen Wärmepumpe mit demselben Strommix, wird der Vergleich erst konsistent, weil der Strom bei beiden Systemen dieselbe Rolle spielt (verdrängt bzw. verbraucht).
Willst du ganzjährig die niedrigste CO₂-Bilanz und hast ein gut gedämmtes Gebäude mit Flächenheizung, ist die Wärmepumpe meist erste Wahl. Hast du hohen, gleichmäßigen Wärme- und Strombedarf (z. B. Gewerbe, Landwirtschaft, Mehrfamilienhaus) und Winterlastspitzen, ist ein BHKW im Winter umwelttechnisch klar besser als jeder Kessel – und bei Biomethan-Betrieb die grünste Verbrenner-Lösung. Reine Gas- oder Ölkessel sind in beiden Fällen die Verlierer des Vergleichs.