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Einsparbeispiel - Nutzung dynamischer Strompreise gegenüber Festpreisen in der Stromabrechnung

Stromfee Redaktion · 13. November 2024

Einsparbeispiel - Nutzung dynamischer Strompreise gegenüber Festpreisen in der Stromabrechnung

Holger Roswandowicz

  1. Nov. 2024

2 Min. Lesezeit

Dynamische Stromtarife – Monatliche Einsparungen

Im Jahr 2024 haben wir ein spannendes Experiment durchgeführt: Wir haben die monatlichen Stromkosten eines Betriebs bei Nutzung eines festen Arbeitspreises und eines dynamischen Tarifs verglichen.

Ziel war es, die potenziellen Einsparungen durch dynamische Tarife sichtbar zu machen und die Effizienz in den unterschiedlichen Monaten zu untersuchen. Die Ergebnisse sind eindeutig – dynamische Tarife können erhebliches Einsparpotenzial bieten.

Feste Arbeitspreise vs. Dynamische Tarife: Ein Überblick

In Deutschland ist es üblich, dass Unternehmen für ihren Stromverbrauch einen festen Arbeitspreis pro Kilowattstunde (kWh) zahlen. Dieser feste Preis bietet Stabilität, ignoriert jedoch die täglichen Schwankungen im Strommarkt, die von Angebot und Nachfrage beeinflusst werden. Dynamische Stromtarife hingegen passen die Preise flexibel an und spiegeln die tatsächlichen Strommarktbedingungen wider. Die Vorteile: Unternehmen können von niedrigeren Strompreisen profitieren, wenn die Nachfrage geringer ist.

Monatsweise Analyse: Einsparpotenzial bei dynamischen Tarifen

Die monatlichen Trends zeigen klare Unterschiede zwischen festen und dynamischen Stromkosten:

Monatliche Fixkosten bei festem Arbeitspreis

Im ersten Diagramm sind die monatlichen Fixkosten dargestellt, die auf einem konstanten Arbeitspreis von 19,067 Cent/kWh basieren. Dieser Preis repräsentiert eine stabile, jedoch unveränderliche Grundlage, wie sie in den Abrechnungen des Jahres 2024 festgelegt war. Die Fixkosten fallen in Monaten mit höherem Verbrauch – typischerweise Sommer- und Wintermonaten – entsprechend höher aus.

Monatliche Kosten bei dynamischen TarifenDas zweite Diagramm zeigt die monatlichen Kosten, die bei einem dynamischen Preis angefallen wären. Die dynamischen Tarife führen zu niedrigeren Kosten in den verbrauchsarmen Monaten und passen sich flexibel an die jeweilige Marktsituation an. Diese Anpassungsfähigkeit macht sich vor allem in Zeiten geringer Nachfrage bezahlt, da der dynamische Preis günstiger ausfällt.

Einsparungen durch dynamische TarifeIm dritten Diagramm sind die monatlichen Einsparungen durch die Nutzung dynamischer Tarife im Vergleich zu einem fixen Arbeitspreis visualisiert. Besonders in Monaten mit hohem Verbrauch wird deutlich, wie dynamische Tarife zur Reduzierung der Gesamtkosten beitragen können. Die höchsten Einsparungen lassen sich in den Sommermonaten feststellen, wo der flexible Tarif den Stromverbrauch effektiver abbildet.

Jährliche Gesamteinsparungen: Ein lohnenswertes Ergebnis

Durch die Anwendung dynamischer Tarife konnte eine jährliche Gesamteinsparung von rund 29.334 € erzielt werden. Diese Summe zeigt das Potenzial dynamischer Tarife und verdeutlicht, dass Unternehmen mit einem hohen und schwankenden Energiebedarf durch die Umstellung auf dynamische Tarife erheblich profitieren können.

Fazit: Dynamische Tarife als wirtschaftliche Chance

Der Vergleich zeigt deutlich, dass dynamische Stromtarife eine attraktive Alternative zu festen Arbeitspreisen darstellen, besonders für Unternehmen mit flexiblen Verbrauchsprofilen. Durch die gezielte Nutzung dynamischer Tarife können nicht nur die Stromkosten gesenkt, sondern auch die Effizienz gesteigert werden.

Verbrauchszeiten optimieren: Unternehmen können zusätzliche Einsparungen erzielen, indem sie ihre Spitzenverbräuche auf Zeiten mit niedrigen Preisen verlagern.

Regelmäßige Überwachung: Die Strompreise variieren stündlich. Ein digitales Energiemanagementsystem kann helfen, den Überblick zu behalten und die günstigsten Zeitfenster zu nutzen.

Automatisierte Systeme nutzen: Energiemonitoring-Systeme, wie das „Stromfee-Tagebuch“, bieten Unternehmen die Möglichkeit, dynamische Preisinformationen in Echtzeit zu integrieren und Einsparungen gezielt zu maximieren.

Schlusswort: Die Umstellung auf dynamische Tarife ist eine wirtschaftlich interessante Entscheidung für Unternehmen. Die Analyse der monatlichen Trends im Jahr 2024 zeigt, wie flexible Strompreise helfen können, Kosten zu senken und gleichzeitig eine effiziente Nutzung von Energieressourcen zu fördern.

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Dynamischer Stromtarif vs. Festpreistarif – was lohnt sich mehr?

Die Antwort hängt an einer Zahl: deinem verschiebbaren Lastanteil

Beide Tarife bestehen aus denselben Bausteinen: Beschaffung, Netzentgelte, Messstellenentgelt, Steuern, Abgaben und Umlagen sowie der Lieferantenmarge. Schwanken kann nur der Beschaffungsanteil – Netzentgelte und Abgaben zahlst du in beiden Modellen gleich. Daraus folgt die Entscheidungsregel: Ein dynamischer Tarif lohnt sich, wenn du einen relevanten Teil deines Verbrauchs zeitlich verschieben kannst (Ladevorgänge, Wärmepumpe, Speicher, Kühlung, Pumpen, Batterie-Ladung, planbare Produktionsläufe). Kannst du nichts verschieben, weil dein Lastgang starr an Schicht- oder Öffnungszeiten hängt, bezahlst du beim dynamischen Tarif nur den Marktpreis zu deinen ohnehin festen Zeiten – dann ist der Vorteil rein zufällig und du kaufst dir Preisrisiko ohne Gegenwert. Der Festpreistarif ist umgekehrt kein „teurer Tarif", sondern eine gekaufte Versicherung: Der Lieferant nimmt dir das Beschaffungsrisiko ab und lässt sich diese Absicherung über einen Risikoaufschlag bezahlen.

So rechnest du es für deinen Betrieb nach – in vier Schritten

1) Lastgang besorgen: Bei RLM-Messung bekommst du die 15-Minuten-Werte beim Netzbetreiber oder Messstellenbetreiber, üblicherweise als MSCONS-Datei; ohne Lastgang (Standardlastprofil) fehlt dir die Grundlage für einen belastbaren Vergleich. 2) Börsenpreise der gleichen Periode danebenlegen: Day-Ahead-Stundenpreise des Marktgebiets Deutschland/Luxemburg, gleicher Zeitraum wie der Lastgang. 3) Verbrauchsgewichtet rechnen, nicht mit dem Jahresmittel: Multipliziere jede Viertelstunde kWh mit dem Preis der zugehörigen Stunde, summiere die Kosten und teile durch die Gesamt-kWh. Das ergibt deinen mengengewichteten Beschaffungspreis. Der einfache Jahresdurchschnitt des Spotpreises ist der häufigste Rechenfehler – wer viel zur teuren Zeit verbraucht, liegt darüber, wer nachts läuft, darunter. 4) Vergleichen und aufschlagen: Stelle diesem Wert den reinen Beschaffungsanteil deines Festpreisangebots gegenüber und addiere beim dynamischen Tarif die Positionen, die dort zusätzlich anfallen – Aufschlag pro kWh, Grundgebühr, Bilanzkreis-/Abwicklungsentgelt und die höheren Messstellenkosten für das intelligente Messsystem. Nur diese Summe ist die ehrliche Vergleichszahl.

Voraussetzungen, Fristen und das Kleingedruckte auf beiden Seiten

Für einen dynamischen Tarif brauchst du ein intelligentes Messsystem (iMSys: moderne Messeinrichtung plus Smart-Meter-Gateway), weil stundenscharf abgerechnet wird – die Zählerstände einer klassischen Messeinrichtung reichen dafür nicht. Seit dem 1. Januar 2025 müssen Lieferanten mit mehr als 100.000 Kunden nach § 41a EnWG einen dynamischen Tarif anbieten; ein Angebot zu bekommen ist also nicht mehr das Problem, die Auswahl schon. Prüfe beim Vergleich die Abrechnungsauflösung (Stunde oder Viertelstunde), ob der Aufschlag über die Laufzeit fixiert ist, und die Kündigungsfrist. Beim Festpreistarif gilt die entscheidende Einschränkung: Garantiert wird in aller Regel nur der Lieferantenanteil. Netzentgelte, Messstellenentgelt, Steuern, Abgaben und Umlagen dürfen auch während der Preisgarantie steigen – trenne im Angebot deshalb Laufzeit, Umfang der Garantie und Kündigungsfrist sauber voneinander, das sind drei verschiedene Dinge. Und eine Mischform ist erlaubt: Ist bei dir nur ein Teil des Verbrauchs verschiebbar, kann ein separater Zählpunkt für die flexible Last (Speicher, Ladepark, Wärmeerzeuger) die bessere Lösung sein als die Entscheidung „alles oder nichts".

Ab wann lohnt sich ein dynamischer Stromtarif gegenüber dem Festpreis?

Wenn dein verschiebbarer Lastanteil groß genug ist, dass die verbrauchsgewichtete Ersparnis die Zusatzkosten übersteigt – also Aufschlag pro kWh, Grundgebühr und die höheren Messstellenkosten für das intelligente Messsystem. Rechne das mit deinem eigenen 15-Minuten-Lastgang gegen die Stundenpreise derselben Periode nach, nicht mit einem Durchschnittspreis aus einer Werbetabelle. Ergibt die Gegenüberstellung nur einen knappen Vorsprung, gewinnt der Festpreis, denn dessen Ergebnis steht fest und deins ist eine Rückrechnung auf Vergangenheitsdaten.

Kann ich mitten in der Laufzeit vom Festpreis in einen dynamischen Tarif wechseln?

Innerhalb einer laufenden Vertragslaufzeit bindet dich der Festpreisvertrag bis zum Ende der vereinbarten Laufzeit plus Kündigungsfrist – ein vorzeitiger Wechsel geht nur bei einem Sonderkündigungsrecht, etwa nach einer Preisanpassung des Lieferanten. Sinnvoll ist deshalb, den Vergleich rechtzeitig vor dem regulären Kündigungstermin zu rechnen und parallel den Einbau des intelligenten Messsystems beim Messstellenbetreiber anzustoßen, weil ohne iMSys kein dynamischer Tarif abgerechnet werden kann.

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