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Shelly 3EM im Mehrfamilienhaus: Submetering für unter 100 Euro pro Wohneinheit

Stromfee Redaktion · 18. April 2026

Der Shelly Pro 3EM misst dreiphasig mit Klasse-1-Genauigkeit und kostet unter 150 € netto. Pro Wohneinheit lässt sich damit ein Submetering-System für weniger als 100 € aufbauen – inklusive Stromwandler, Hutschienen-Adapter und MQTT-Broker. Für eichrechtskonforme Abrechnung reicht das nicht, für internes Monitoring, WEG-Kostenverteilung oder Mieterstrom-Plausibilisierung sehr wohl.

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Warum klassisches Submetering im MFH oft überdimensioniert ist

Wer in einem Mehrfamilienhaus mit 8 bis 20 Wohneinheiten ein Submetering aufbauen will, landet schnell bei kommerziellen Lösungen à la Janitza, Gossen Metrawatt oder den üblichen MID-Zählern mit M-Bus-Gateway. Die

Einzelzähler kosten zwischen 180 und 400 € pro Wohneinheit, dazu kommt ein M-Bus- oder Modbus-Gateway für 400 bis 900 € und ein Auslesedienst mit Jahresgebühr.

Für eichrechtskonforme Mieterstrom-Abrechnung nach MsbG führt an diesen Systemen kein Weg vorbei. Aber: Viele Anwendungsfälle im MFH sind gar nicht abrechnungspflichtig. Dazu zählen WEG-interne Verbrauchstransparenz, Plausibilisierung vom Messstellenbetreiber gelieferter Werte, Wärmepumpen-Monitoring im Mehrparteienhaus oder die Lastverteilung in PV-Überschussladen-Szenarien.

Für genau diese Fälle ist der Shelly 3EM Mehrfamilienhaus-Einsatz interessant.

Hardware: Shelly Pro 3EM im Überblick

Der Shelly Pro 3EM ist ein dreiphasiger Energiezähler im Hutschienen-Format (4 TE). Er misst über externe Rogowski-Spulen oder Split-Core-Stromwandler pro Phase bis 120 A und liefert:

Die Klasse-1-Einstufung gilt laut Shelly-Datenblatt – sie ist nicht MID-zertifiziert und nicht für §33 MsbG-Abrechnung zugelassen. Das ist der zentrale Unterschied zu einem Zähler wie dem Eastron SDM630 MID oder dem Janitza UMG 96-EL.

Was du pro Wohneinheit brauchst

Kalkulation für eine Standard-Wohneinheit mit 3-phasigem Zählerplatz:

| Komponente | Preis netto |

|---|---|

| Shelly Pro 3EM | ca. 130 € |

| 3x Split-Core CT 120A (wenn nicht Rogowski im Lieferumfang) | ca. 30 € |

| Hutschienen-Klemmen, Leitungsschutz | ca. 15 € |

| Zeitaufwand Elektrofachkraft (30 min) | variabel |

Bei Sammelbestellung für 12 WE liegt man materialseitig bei etwa 85 bis 95 € pro Wohneinheit.

Software-Stack: MQTT, InfluxDB, Grafana

Der Shelly Pro 3EM spricht nativ MQTT. Das macht die Integration in bestehende Monitoring-Infrastruktur trivial – und vermeidet den Rückgriff auf die Shelly-Cloud, die für MFH-Szenarien wegen DSGVO und Stromausfall-Abhängigkeit keine gute Idee ist.

Minimalsetup

```yaml

docker-compose.yml (gekürzt)

services:

mosquitto:

image: eclipse-mosquitto:2

ports: ["1883:1883"]

influxdb:

image: influxdb:2.7

telegraf:

image: telegraf:1.29

grafana:

image: grafana/grafana:10

```

Telegraf subscribed den MQTT-Topic `shellies/+/status/em:0` und schreibt in InfluxDB. Eine Raspberry Pi 4 oder ein gebrauchter Mini-PC (Fujitsu Futro S740 für ~60 €) reicht als Host für bis zu 50 Shelly-Geräte völlig aus.

Topic-Struktur sauber aufsetzen

Pro Wohneinheit sollte der Shelly einen eindeutigen Namen bekommen, z. B. `mfh-musterstrasse-weg-we03`. Dann liefert das MQTT-Topic:

```

shellies/mfh-musterstrasse-weg-we03/status/em:0

```

Das erleichtert spätere Auswertungen erheblich, gerade wenn man auf WE-Ebene Verbrauchsprofile vergleichen will. Wer das in eine ClickHouse oder TimescaleDB statt InfluxDB schreibt, kann die Daten später auch mit Spot-Preisen joinen – siehe dazu unsere electricity_price_forecast-Pipeline mit 96 Preissignalen.

Realer Einbau: Die häufigsten Stolperfallen

Stolperfalle 1: Platz im Zählerschrank

Der Shelly Pro 3EM braucht 4 TE. In bestehenden Zählerschränken nach TAB ist oft kein Platz neben den eHZ-Zählerplätzen. Lösung: Separates Hutschienenfeld im Verteiler oder – in Neubauten – direkt bei Planung berücksichtigen. Nicht versuchen, das in den eHZ-Platz zu quetschen. Das verstößt gegen die TAB und gibt Ärger mit dem Netzbetreiber.

Stolperfalle 2: Stromwandler-Richtung

Die CTs haben eine Richtungspfeil-Markierung (K→L). Falsch herum eingebaut liefert der Shelly negative Leistungswerte. Das ist kein Defekt, sondern immer ein Installationsfehler. Am besten nach Inbetriebnahme eine bekannte Last (Wasserkocher 2 kW) einschalten und prüfen, ob die Leistung positiv anzeigt wird.

Stolperfalle 3: Summenbildung

Wer den Hausanschluss zusätzlich mit einem Shelly 3EM misst und die einzelnen WE-Shellys summiert, wird Differenzen von 2 bis 5 % feststellen. Das liegt an der Messungenauigkeit (Klasse 1 = ±1 % pro Gerät) und Blindleistungsanteilen. Für Abrechnung nicht geeignet, für Plausibilisierung völlig ausreichend.

Stolperfalle 4: WLAN oder LAN?

Der Pro 3EM hat LAN und WLAN. In Zählerschränken mit Metallgehäuse ist WLAN oft instabil. Wenn möglich: LAN ziehen. Ein PoE-Switch (z. B. MikroTik CRS305) im Technikraum erleichtert Verkabelung erheblich.

Regulatorische Einordnung: Was darf man mit der Lösung?

Erlaubt ist der Einsatz für:

Nicht erlaubt ist:

Wer Mieterstrom nach EEG abrechnet, braucht weiterhin einen zugelassenen Zähler plus Messstellenbetreiber. Der Shelly ist dann die "zweite Meinung" – nützlich, um Monatsrechnungen des MSB vor Weiterberechnung an Mieter zu prüfen. In der Praxis tauchen dort regelmäßig Übertragungsfehler auf.

Wirtschaftlichkeit: Wann lohnt sich DIY?

Grobrechnung für ein 12-WE-Haus:

| Position | Shelly-Setup | Klassisches Submetering |

|---|---|---|

| Hardware WE-Zähler (12x) | 1.560 € | 3.600 € |

| Gateway / Kommunikation | 200 € (Mini-PC) | 700 € (M-Bus GW) |

| Software / Portal | 0 € (self-hosted) | 180 €/a |

| Installationsaufwand | ~8 h EFK | ~6 h EFK |

| Wartung / Updates | selbst | Dienstleister |

Der Break-Even gegenüber einem gemanagten Submetering-Service liegt typischerweise im zweiten Betriebsjahr. Voraussetzung ist allerdings, dass jemand den self-hosted Stack betreibt. Für WEGs ohne technischen Verwalter kann ein kommerzielles System trotz höherer Kosten die sinnvollere Wahl sein.

Integration in bestehende Energiemanagement-Systeme

Wer bereits ein BGA-Dashboard, eine Wärmepumpen-Steuerung oder ein PV-Monitoring betreibt, kann die WE-Daten aus den Shellys direkt einbinden. Die 1-Sekunden-Daten eignen sich auch für:

Für komplexere Auswertungen – etwa Korrelation von Hausverbrauch mit Day-Ahead-Preisen oder viertelstündlicher Residuallast-Prognose – bietet sich die Einbindung in unsere Stromfee Academy-Simulatoren an, wo sich Arbitrage-Szenarien für Hausbatterien mit realen Lastprofilen durchspielen lassen.

FAQ

Ist der Shelly Pro 3EM eichrechtskonform?

Nein. Er ist Klasse 1 (±1 %) aber nicht MID-zertifiziert. Für §33-MsbG-Abrechnung ungeeignet.

Kann ich den Shelly 3EM im Mehrfamilienhaus ohne Netzbetreiber-Zustimmung installieren?

Ja, solange er hinter dem Hauptzähler im Kundenbereich sitzt und nicht in den eHZ-Zählerplatz eingreift. Installation nur durch Elektrofachkraft.

Wie viele Shellys kann ein Raspberry Pi als MQTT-Broker verwalten?

In der Praxis problemlos 50+ Geräte. Flaschenhals ist meist die Datenbank, nicht MQTT selbst.

Funktioniert das Setup auch ohne Internet?

Ja. Komplett self-hosted möglich. Shelly-Cloud ist optional und sollte für MFH-Einsatz eher deaktiviert werden (DSGVO, Ausfallsicherheit).

Was passiert bei Stromausfall?

Der Shelly verliert gepufferte Daten nach etwa 60 Sekunden. Energiezähler-Stände werden intern gespeichert. Für kritisches Monitoring empfiehlt sich eine kleine USV (25 €) für Broker-Host und Switch.

Kann ich den Shelly 3EM für Wärmepumpen-Monitoring nach §14a EnWG nutzen?

Für internes Monitoring ja, für die §14a-konforme Steuerung nein – die braucht iMSys und CLS-Kanal.

Gibt es Alternativen zum Shelly Pro 3EM?

Ja. Der Eastron SDM630 Modbus (MID-zertifiziert, ca. 110 €) ist abrechnungsgeeignet, braucht aber ein Modbus-Gateway. Der Carlo Gavazzi EM340 ist ähnlich positioniert. Für reines Monitoring ist Shelly wegen MQTT-Native oft die einfachere Wahl.

Zusammenfassung

Der Shelly Pro 3EM ersetzt nicht den Messstellenbetreiber, aber er macht Submetering im Mehrfamilienhaus zugänglich, das ohne ihn wirtschaftlich nicht darstellbar wäre. Unter 100 € pro Wohneinheit bekommt man eine dreiphasige Klasse-1-Messung mit 1-Sekunden-Auflösung und offener Schnittstelle – genug für Transparenz, Plausibilisierung und Energiemanagement, nicht genug für Abrechnung.

Wer ein MFH technisch sauber aufsetzen will, sollte den Shelly-Stack als Ergänzung zum MsbG-Messwesen verstehen, nicht als Ersatz. Dann wird daraus ein belastbares Monitoring-Werkzeug.

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Weiterführend:

*Holger Roswandowicz, HR Energiemanagement GmbH, Bünde*

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