WAGO oder Beckhoff per MQTT an die Cloud anbinden — so kommt dein Controller online
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Beckhoff und WAGO sind zwei deutsche Automatisierungs-Hersteller aus Ostwestfalen, die auf den ersten Blick dasselbe machen — SPS-Steuerungen und I/O-Klemmen für Schaltschränke — die aber aus ganz verschiedenen Ecken kommen. Beckhoff (Verl) steht für PC-basierte Steuerungstechnik: Die Steuerung ist im Kern ein Industrie-PC, programmiert und konfiguriert in der hauseigenen Software TwinCAT, und der Feldbus der Wahl ist EtherCAT — sehr schnell, sehr taktgenau, konzipiert für Motion Control und Maschinenbau. Typisch für die Energie- und Anlagentechnik ist die CX-Reihe, ein Embedded-PC auf der Hutschiene, an den du die EtherCAT-Klemmen direkt anreihst. WAGO (Minden) kommt von der Verbindungstechnik — die Käfigzugfeder-Reihenklemme ist das Ursprungsprodukt — und baut darauf das modulare WAGO I/O-System auf, heute meist mit einem PFC200-Controller als Kopf. Programmiert wird nach IEC 61131-3 auf CODESYS-Basis, das Betriebssystem darunter ist ein offenes Linux, und der Controller spricht ab Werk Modbus TCP, MQTT und weitere offene Protokolle.
Für die Praxis heißt das: Es gibt kein pauschales "besser", sondern zwei unterschiedliche Stärken. Nimm Beckhoff, wenn du harte Echtzeit brauchst — Achsen, Antriebe, schnelle Regelkreise, hohe Taktraten — oder wenn deine Anlage ohnehin schon in TwinCAT läuft und du in einer durchgängigen Werkzeugkette bleiben willst; das gilt auch, wenn du viel Rechenleistung direkt auf der Steuerung brauchst, weil ein IPC nun mal ein IPC ist. Nimm WAGO, wenn dein Schwerpunkt auf Messen, Zählen, Erfassen und Weitergeben liegt — also klassische Energie- und Gebäudetechnik, verteilte I/O-Inseln, Zählerauslesung, Anbindung an eine Cloud oder ein Monitoring. Das offene Linux und die ab Werk mitgelieferten Protokolle machen den PFC200 zum unkomplizierteren Weg nach draußen, weil du für MQTT keinen Zusatzbaustein und keine Extra-Lizenz einplanen musst. Und noch ein Punkt, der oft übersehen wird: Die Entscheidung ist keine Entweder-oder-Frage fürs ganze Werk. Beide Welten reden Modbus TCP und MQTT, deshalb kannst du eine bestehende Beckhoff-Maschinensteuerung stehen lassen und daneben eine WAGO-Insel für die Energiedaten setzen — oder umgekehrt. Der gemeinsame Nenner ist das Protokoll, nicht das Logo auf dem Gehäuse.
→ Passend dazu: beckhoff sps

Kurz und direkt: Sowohl ein WAGO-Controller (PFC100/PFC200) als auch eine Beckhoff-Steuerung können MQTT von Haus aus sprechen — du brauchst dafür in der Regel keine zusätzliche Gateway-Box. Der Controller verbindet sich als MQTT-Client mit einem Broker, veröffentlicht seine Prozess- und Energiewerte auf klar benannten Topics, und von dort holt ein Dienst die Daten ab und schreibt sie in eine Datenbank. Der Rest dieses Artikels zeigt, wie dieser Weg im Detail aussieht.
MQTT ist ein schlankes Publish-/Subscribe-Protokoll. Die Steuerung publiziert Nachrichten auf ein Topic (z. B. werk/trafo1/leistung), ein zentraler Broker nimmt sie an und leitet sie an alle weiter, die dieses Topic abonniert haben. Sender und Empfänger kennen sich nicht — sie sind über den Broker entkoppelt. Genau das macht MQTT so robust für die Anbindung von Anlagen: fällt der Empfänger kurz aus, puffert der Broker, und die Steuerung muss nichts davon wissen.
Die WAGO-Controller der Reihen PFC100 und PFC200 laufen auf einem Linux-System und werden mit CODESYS programmiert. MQTT steht dir dort auf mehreren Wegen offen: über fertige IoT-Funktionsbausteine direkt im SPS-Programm, über den mitgelieferten MQTT-Client, oder — wenn du lieber grafisch arbeitest — über Node-RED bzw. einen eigenen Container auf dem Gerät. Du legst fest, welche Variablen (Leistung, Arbeit, Zählerstände, Statusbits) auf welches Topic gehen und wie oft gesendet wird. Ab da schickt der PFC seine Werte eigenständig zum Broker.
Bei Beckhoff übernimmt das die TwinCAT-IoT-Funktion. Die IoT-Communication-Bibliothek veröffentlicht SPS-Variablen als MQTT-Nachrichten, der IoT Data Agent bündelt mehrere Datenpunkte und mappt sie sauber auf Topics — ohne dass du den MQTT-Handshake selbst programmieren musst. Die Steuerung verbindet sich als Client mit dem Broker und sendet die Werte als JSON. Der Ansatz ist identisch zu WAGO: der Controller ist der Sender, der Broker die Drehscheibe.
Wichtig zu verstehen: MQTT transportiert die Daten, es speichert sie nicht. Der Broker verteilt Nachrichten — sobald sie zugestellt sind, sind sie weg. Damit aus den Messwerten auswertbare Zeitreihen, Lastgänge und Alarme werden, braucht es einen Dienst dazwischen, der die Topics abonniert und in eine Datenbank schreibt. Genau nach diesem Muster laufen unsere Kundenanbindungen:
1. Controller publiziert
WAGO oder Beckhoff sendet seine Werte im festen Takt auf sprechende Topics — pro Anlage ein eigener Präfix, damit nichts durcheinandergerät.2. Broker nimmt an
Ein MQTT-Broker (lokal am Standort oder in der Cloud) empfängt die Nachrichten und stellt sie den Abonnenten zu.3. Bridge schreibt weg
Ein Bridge-Dienst abonniert die Topics und schreibt die Werte fortlaufend in eine Zeitreihen-Datenbank — genau das, was den Rohstrom erst dauerhaft nutzbar macht.4. Auswertung entsteht
Aus den gespeicherten Zeitreihen werden Lastgänge, Kennzahlen, Grenzwert-Alarme und der Abgleich gegen den Marktpreis.Ein Controller, der ungeschützt in eine Cloud funkt, ist ein offenes Tor. Drei Dinge gehören deshalb immer dazu: TLS-Verschlüsselung (MQTT über Port 8883 statt des offenen 1883), eigene Zugangsdaten pro Gerät — nie ein geteiltes Passwort für alle Anlagen — und eine Topic-Struktur mit Zugriffsrechten, sodass jede Anlage nur ihre eigenen Topics beschreiben darf. So bleibt die Anbindung nachvollziehbar, und ein kompromittiertes Gerät reißt nicht die ganze Flotte mit.
Kurz zusammengefasst: WAGO und Beckhoff können MQTT beide nativ. Der Controller publiziert, der Broker verteilt, eine Bridge speichert — und erst die Datenbank macht aus einzelnen Nachrichten den durchgehenden Lastgang, mit dem sich rechnen lässt. Wer diesen Weg einmal sauber aufgesetzt hat, misst statt zu schätzen. Und wie präzise Messdaten sich auszahlen, zeigt sich spätestens beim Blick auf die Stromabrechnung — mehr dazu in unserem Beitrag Stromabrechnung 2026 digital prüfen.
Und wenn du sicher gehen willst, dass deine Abrechnung wirklich stimmt: stromfee.ai gleicht Messkonzept, Lastgang und Marktpreis digital ab und deckt die Fehler auf, die Netzbetreiber und Versorger nicht gegenprüfen.
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