BHKW-Flex-Fahrplan: Wie du die 96 Viertelstundenpreise nutzt

Der Kern ist einfach: Ein Tag hat 96 Viertelstunden, und für jede gibt es am Day-Ahead-Markt einen eigenen Strompreis. Dein BHKW soll in den teuren Viertelstunden laufen und in den billigen stehen — das ist der ganze Flex-Fahrplan.
24 Stunden × 4 = 96 Viertelstunden pro Tag. Der Day-Ahead-Spotmarkt (EPEX) bildet für jede dieser Viertelstunden einen eigenen Preis in €/MWh. Diese 96 Werte für morgen stehen heute am frühen Nachmittag fest — sie sind die Preiskurve, an der dein BHKW-Fahrplan sich ausrichtet. Statt stumpf 24 h durchzulaufen, entscheidest du je Viertelstunde: Motor an oder aus.

1) 96 Preise für morgen ziehen (Direktvermarkter-Portal oder eigener Datenabzug aus dem Day-Ahead-Preisfeed). 2) Die Viertelstunden nach Preis sortieren und die teuersten so viele auswählen, wie deine Laufzeit hergibt — z. B. die teuersten 32 für 8 h Betrieb. 3) Diese Fenster als Ein/Aus-Plan an die Anlagensteuerung übergeben. Am Ende hast du 96 Ja/Nein-Entscheidungen, die deinen Motor in die wertvollsten Stunden legen.

Ein BHKW verdient nichts an der Strommenge allein, sondern am Preis, zu dem der Strom fließt. Läuft der Motor in einer 8-Cent-Viertelstunde statt in einer 3-Cent-Viertelstunde, verdienst du für dieselbe kWh mehr als das Doppelte. Die Preisspreizung über den Tag ist genau der Hebel — Mittags-Solar drückt die Preise, morgens und abends steigen sie. Dein Fahrplan schiebt die Laufzeit gezielt in diese Hochpreis-Fenster.

Flexibel fahren kannst du nur, wenn die Wärme nicht mehr die Laufzeit diktiert. Ein ausreichend großer Pufferspeicher (bei Biogas übernimmt der Gasspeicher diese Rolle) entkoppelt Stromproduktion und Wärmebedarf: Der Motor läuft in den teuren Stunden Vollgas, die Wärme wird zwischengespeichert und gibt sie ab, wenn sie gebraucht wird. Ohne diesen Puffer bleibt der Fahrplan starr an der Wärmelast hängen und du kannst die 96 Preise nicht ausnutzen.

In der Praxis kommt der optimierte Fahrplan meist über die Direktvermarktung: Der Vermarkter rechnet aus den 96 Preisen, deiner Speichergröße und deinen Restriktionen (Mindestlauf, Mindeststillstand, Startzahl) den ertragsoptimalen Plan und liefert ihn an die Steuerung. Bei genehmigter Flexibilisierung ist dieser externe Fahrplan der Normalfall. Wichtig: Nebenbedingungen wie Wärmebedarf und Genehmigungsauflagen müssen im Optimierer hinterlegt sein, sonst produziert er unfahrbare Pläne.
Nur die teuersten Viertelstunden auszuwählen ist die Basisregel — die echte Optimierung berücksichtigt zusätzlich Startkosten und Verschleiß (nicht 96-mal am Tag takten), Mindestlaufzeiten, den Füllstand des Wärme-/Gasspeichers und teils schon Preisprognosen für die Folgetage. Eine KI-/DP-Optimierung plant deshalb nicht nur den teuersten Moment, sondern den ertragsbesten Gesamt-Tagesverlauf unter allen Restriktionen.
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