Biogas kühlen und entwässern: So schützt du dein BHKW

Frisches Biogas ist zu 100 % mit Wasserdampf gesättigt und trägt aggressives H₂S mit. Wenn du das Gas gezielt abkühlst, fällt das Wasser als Kondensat aus — das schützt Motor, Gasstrecke und Gaszähler vor Korrosion und Ausfall.
Biogas verlässt den Fermenter warm (ca. 38–42 °C) und ist voll wassergesättigt. Kühlst du es ab, sinkt die Aufnahmefähigkeit für Wasserdampf und das überschüssige Wasser kondensiert aus. Zusammen mit H₂S bildet das Wasser Schwefelsäure — genau die frisst Kolben, Ventile, Gasstrecke und Zählwerke. Trockenes Gas heißt weniger Korrosion, stabilerer Motorlauf und längere Wartungsintervalle.

1) Gasleitung mit Gefälle (mind. 1–2 %) zu einem Tiefpunkt verlegen. 2) Am Tiefpunkt einen Kondensatabscheider bzw. Kondensatschacht setzen, damit sich Wasser sammelt statt zum BHKW zu laufen. 3) Gas über eine erdverlegte Leitung oder einen aktiven Gaskühler (Sole/Kältemittel) auf möglichst niedrige Temperatur bringen. 4) Kondensat über Siphon oder Kondensatpumpe ableiten — Frostschutz beachten. 5) Vor dem Motor das Gas leicht wieder anwärmen, damit die relative Feuchte sinkt und im Gasregelweg nichts nachkondensiert.

Kernstück ist die Gaskühlstrecke: entweder passiv über kühle erdverlegte Rohre oder aktiv über einen Gaskühler mit Kälteaggregat. Dazu Kondensatabscheider am Tiefpunkt, Kondensatschacht bzw. -pumpe zur Ableitung, ein Siphon gegen Rückstau und eine leichte Nacherwärmung vor der Gasregelstrecke. Kombiniert wird das meist mit Aktivkohle- oder biologischer Entschwefelung, denn ohne H₂S-Reduktion nützt trockenes Gas nur die halbe Miete.

Leitung ohne Gefälle führt zu Wassersäcken, die den Gasfluss drosseln und im Winter einfrieren. Fehlt das Nachwärmen, landet Kondensat direkt im Gasmischer und an den Zündkerzen. Vernachlässigte Entschwefelung bringt trotz Trocknung Säurebildung. Und verstopfte oder zu klein dimensionierte Kondensatabscheider laufen bei Volllast über. Jeder dieser Punkte endet in ungeplanten Stillständen — und die kosten bares Geld.

Ein BHKW verdient über Einspeisung plus KWK-Zuschlag bzw. EEG/Marktprämie und über vermiedenen Netzbezug (Eigenverbrauch). Fällt der Motor durch Kondensat-Korrosion oder Frost aus, sinkt die eingespeiste kWh-Menge und damit direkt der Vergütungs- und Zuschlagsbetrag auf der Abrechnung — gleichzeitig steigt teurer Netz-Reststrombezug samt Leistungspreis, weil der Eigenbedarf plötzlich vom Netz kommt. Korrosion am Gaszähler kann zusätzlich die Messung verfälschen und zu falschen Abrechnungswerten führen.
Zieh dir den Lastgang (15-Min-Werte) bzw. die MSCONS-Daten von Einspeisung und Bezug und leg die Motorlaufzeiten daneben. Kondensat- und Frostausfälle zeigen sich als plötzliche Einbrüche der Einspeise-kWh mit gleichzeitigem Bezugs-Peak — meist nachts oder bei Kälte. Vergleichst du die abgerechnete KWK-Menge mit dem Lastgang, deckst du fehlende Zuschläge, Messfehler und ausfallbedingte Erlöslücken auf, bevor sie sich über Monate summieren.
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