Blindleistung beim Wechselrichter – einfach erklärt

Blindleistung ist der Teil der Leistung, der zwischen Anlage und Netz hin- und herpendelt, ohne echte Arbeit zu verrichten. Dein Wechselrichter kann sie gezielt erzeugen oder aufnehmen, indem er den Strom zeitlich gegen die Spannung verschiebt.
Ein Wechselrichter liefert normalerweise Wirkleistung (P, in Watt) – den Strom, der wirklich genutzt wird. Blindleistung (Q, gemessen in var) ist zusätzlich ein pendelnder Anteil, der keine Arbeit leistet, aber im Netz für die Magnetfelder von Motoren und Transformatoren gebraucht wird. Zusammen ergeben P und Q die Scheinleistung S, es gilt S² = P² + Q². Der Wechselrichter kann Blindleistung selbst bereitstellen, obwohl deine PV-Module nur Gleichstrom liefern.
Der Wechselrichter formt aus dem Gleichstrom der Module einen Wechselstrom. Dabei kann er steuern, ob der Stromverlauf genau mit der Netzspannung zusammenfällt oder ihr zeitlich vor- oder nacheilt. Diese Verschiebung heißt Phasenwinkel φ. Fällt beides zusammen (cosφ = 1), gibt es nur Wirkleistung. Verschiebt der Wechselrichter den Strom, entsteht Blindleistung – ohne dass zusätzliche Energie aus den Modulen nötig ist. Er braucht dafür nur passende Elektronik und eine Software-Einstellung, keine extra Bauteile.

Blindleistung hilft, die Spannung im Stromnetz stabil zu halten. Speist deine PV-Anlage viel ein, kann die Spannung im Ortsnetz steigen; nimmt der Wechselrichter dann Blindleistung auf, wirkt er dem entgegen. Deshalb verlangen Netzbetreiber, dass moderne Wechselrichter Blindleistung bereitstellen können. Für dich heißt das: Der Wechselrichter arbeitet still im Hintergrund mit, damit deine Anlage überhaupt einspeisen darf und die Netzqualität stimmt.
Drei Einstellungen sind üblich: ein fester cosφ-Wert (der Wechselrichter hält ein konstantes Verhältnis von Wirk- zu Blindleistung), eine leistungsabhängige Kennlinie cosφ(P) und die spannungsabhängige Kennlinie Q(U), bei der die Blindleistung automatisch der aktuellen Netzspannung folgt. Welche Betriebsart gilt, gibt der Netzbetreiber vor. Du musst diese Werte in der Regel nicht selbst berechnen – der Installateur stellt sie beim Netzanschluss ein.
In geringem Maß ja: Wenn der Wechselrichter viel Blindleistung liefert, sinkt der Anteil, der als Wirkleistung übrig bleibt, weil die Scheinleistung durch die Gerätegröße begrenzt ist. Bei den üblichen Vorgaben (oft cosφ um 0,90 bis 0,95) ist der Effekt aber klein und meist nur bei voller Einspeisung spürbar. In der Praxis fällt der Ertragsverlust für dich kaum ins Gewicht.
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