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Kein Geld verschenken: Stromverbrauch der Biogasanlage systematisch optimieren

Stromfee Redaktion · 19. Juni 2026
ThemenseiteEnergiemonitoring für BHKW & Biogas →

TL;DR: Bei Biogasanlagen steckt der größte ungenutzte Hebel selten im Fermenter, sondern im elektrischen Eigenbedarf – Rührwerke, Pumpen, Förderung – und in den Konditionen für den zugekauften Strom. Sichtbar wird das nur mit einer Messung, die einzelne Verbraucher und den Netzbezug getrennt erfasst.

▶ Biogas in der Winterkrise – aus der Stromfee-Mediathek. Aus der Stromfee-Mediathek.
Energiemonitoring einer Biogasanlage – getrennte Erfassung von Eigenbedarf und Netzbezug
Energiemonitoring einer Biogasanlage – getrennte Erfassung von Eigenbedarf und Netzbezug

Warum der Eigenbedarf der blinde Fleck ist

Wer eine Biogasanlage betreibt, denkt bei „Effizienz“ zuerst an den Gärprozess und den Wirkungsgrad des Blockheizkraftwerks. Das ist richtig, aber unvollständig. Ein erheblicher Teil der wirtschaftlichen Wahrheit einer Anlage entscheidet sich an Stellen, die im Tagesgeschäft kaum jemand beobachtet: am elektrischen Eigenbedarf der Anlagentechnik und an den Konditionen, zu denen Reststrom aus dem Netz bezogen wird.

Der Eigenbedarf läuft rund um die Uhr, oft über Jahre unverändert weiter. Genau das macht ihn gefährlich: Eine dauerhaft leicht zu hoch eingestellte Pumpe oder ein durchlaufendes Rührwerk fällt nie als Störung auf – es kostet einfach jeden Tag ein wenig. Über ein Jahr summieren sich diese unauffälligen Verluste zu Beträgen, die jede einzelne Wartungsmaßnahme übersteigen können.

Die großen elektrischen Verbraucher

Rührwerke

Rührwerke gehören zu den größten elektrischen Dauerverbrauchern einer Biogasanlage. Ob sie kontinuierlich oder im Intervall laufen, mit welcher Drehzahl und wie lange, hat unmittelbaren Einfluss auf den Stromverbrauch – und nicht jede Einstellung, die den Fermenter sicher durchmischt, ist auch die energetisch sparsamste. Häufig sind Laufzeiten historisch gewachsen und wurden nie gegen den tatsächlichen Bedarf geprüft.

Pumpen und Förderung

Substrat- und Gülle­pumpen, die Beschickung sowie Förderschnecken arbeiten unter wechselnder Last. Falsch dimensionierte oder ungeregelte Pumpen verbrauchen dauerhaft mehr, als der Prozess verlangt. Eine bedarfsgeführte Steuerung statt Dauerbetrieb ist hier oft der wirksamste Hebel – aber nur, wenn man den Verbrauch einzeln sichtbar machen kann.

Wärme- und Hilfsaggregate

Heizkreispumpen, Lüftung, Gasaufbereitung und Steuerungstechnik wirken einzeln klein, in Summe aber nicht. Weil sie als „Grundlast“ gelten, werden sie selten hinterfragt – obwohl auch hier defekte oder falsch eingestellte Komponenten still Energie ziehen.

Der Netzbetreiber und die Bezugskonditionen

Eine Biogasanlage speist nicht nur ein, sie bezieht auch Strom – etwa in Schwach- oder Revisionsphasen. Wie dieser Bezug abgerechnet wird, hängt von Netzentgelten, der Konzessions- und Messsituation und der gewählten Abrechnungsvariante ab. Wer Leistungspreis, Arbeitspreis und die gemessenen Lastspitzen nicht regelmäßig gegen die tatsächlichen Werte prüft, zahlt unter Umständen für eine Leistung, die er gar nicht abruft. Auch hier gilt: Ohne saubere Messung bleibt die Bewertung eine Schätzung.

Messen statt schätzen

Der gemeinsame Nenner aller genannten Punkte ist die Datenlage. Ein einzelner Summenzähler am Anschlusspunkt zeigt nur, dass Strom verbraucht wird – nicht, wo und warum. Erst eine Messung, die einzelne Verbraucher, den Eigenbedarf und den Netzbezug getrennt in hoher zeitlicher Auflösung erfasst, macht die Schwachstellen sichtbar. Aus einem Lastgang lässt sich ablesen, welches Aggregat wann läuft, ob Lastspitzen vermeidbar sind und ob ein Verbraucher außerhalb seines Sollbereichs arbeitet.

Was eine belastbare Erfassung leisten muss

Stolperfallen aus der Praxis

Fazit

Die wirtschaftliche Reserve einer Biogasanlage liegt selten im Fermenter allein. Sie verteilt sich auf den elektrischen Eigenbedarf – Rührwerke, Pumpen, Hilfsaggregate – und auf die Konditionen des Strombezugs. Keiner dieser Punkte lässt sich seriös ohne Daten bewerten. Wer einzelne Verbraucher und den Netzbezug getrennt und in hoher Auflösung misst, sieht die Schwachstellen, statt sie zu vermuten – und verschenkt kein Geld mehr an Stellen, die niemand beobachtet.

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FAQ

Wo verliert eine Biogasanlage am ehesten Geld beim Strom?

Meist nicht im Gärprozess, sondern im elektrischen Eigenbedarf – vor allem bei Rührwerken und Pumpen, die länger oder stärker laufen als nötig – sowie in nicht geprüften Bezugskonditionen für zugekauften Strom. Diese Verluste fallen nie als Störung auf und laufen deshalb oft jahrelang unbemerkt mit.

Warum reicht der Zähler am Netzanschluss nicht aus?

Ein Summenzähler zeigt nur, dass und wie viel Strom insgesamt fließt, aber nicht, welcher Verbraucher dafür verantwortlich ist. Ohne Untermessung einzelner Aggregate bleibt jede Optimierung eine Schätzung, weil man die Schwachstelle nicht lokalisieren kann.

Was ist der Vorteil eines Lastgangs gegenüber Monatswerten?

Ein Lastgang in hoher zeitlicher Auflösung macht sichtbar, wann welcher Verbraucher läuft, ob Lastspitzen entstehen und ob ein Aggregat dauerhaft außerhalb seines Sollbereichs arbeitet. Monatssummen glätten genau diese Information weg.

Lohnt es sich, die Rührwerk-Laufzeiten zu prüfen?

Häufig ja, denn Rührwerke gehören zu den größten elektrischen Dauerverbrauchern. Ob die eingestellte Laufzeit und Drehzahl wirklich nötig sind, lässt sich aber nur beurteilen, wenn man den Verbrauch einzeln misst und gegen den Durchmischungsbedarf hält – ohne Daten bleibt es Vermutung.

Sollte man die Strombezugskonditionen regelmäßig prüfen?

Ja. Netzentgelte, Leistungspreis und die abgerechneten Lastspitzen werden oft über Jahre unverändert fortgeschrieben. Ein Abgleich der gemessenen Werte mit der Netzabrechnung deckt auf, ob für eine Leistung gezahlt wird, die gar nicht abgerufen wird.

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