KWK im Hotel: Wann sich ein BHKW wirklich lohnt

Ein BHKW im Hotel lohnt sich, wenn du ganzjährig eine Wärmegrundlast hast, die das Modul viele Stunden am Stück auslastet — und wenn du den erzeugten Strom weitgehend selbst verbrauchst. Rechne nicht mit der Spitzenlast, sondern mit der Stunde, in der am wenigsten Wärme gebraucht wird: die bestimmt die Modulgröße.
Erstens Wärme das ganze Jahr: Warmwasser für Duschen, Wäscherei, Küche, gegebenenfalls Pool oder Wellness. Ein Hotel mit Schwimmbad oder eigener Wäscherei hat diese Sommergrundlast, ein reines Tagungshaus ohne Warmwasserbedarf oft nicht. Zweitens Betriebsstunden: Ein BHKW muss über viele Volllaststunden im Jahr laufen — Faustregel in der Praxis sind mehrere tausend Stunden. Drittens Eigenstromnutzung: Der Vorteil entsteht dort, wo du selbst erzeugten Strom nutzt, statt ihn zu kaufen. Einspeisen bringt deutlich weniger als selbst verbrauchen. Fällt eine der drei Bedingungen weg, rechnet sich die Anlage in der Regel nicht — unabhängig davon, wie gut das Angebot klingt.

1) Hol dir den Wärmeverbrauch der letzten drei Jahre (Gaszähler, Heizkostenabrechnung) und den Stromverbrauch aus deinen Stromrechnungen. 2) Ermittle die Sommer-Wärmegrundlast: Was verbrauchst du in Juli/August? Das ist die Basis, auf die das Modul ausgelegt wird — nicht der Januar. 3) Prüfe deine Strom-Grundlast: Wie viel kW zieht das Haus nachts um 3 Uhr? Kein Modul sollte größer sein, als du dauerhaft selbst verbrauchen kannst. 4) Frag beim Messstellenbetreiber deinen 15-Minuten-Lastgang an, falls du eine registrierende Leistungsmessung (RLM) hast — damit siehst du echte Verläufe statt Jahressummen. 5) Erst danach Angebote einholen. Wer ohne diese Zahlen ein Modul dimensioniert, dimensioniert nach Katalog.

Der häufigste Fehler ist ein zu groß geplantes BHKW. Ein großes Modul deckt die Winterspitze, steht aber im Sommer still oder taktet — und jeder Start kostet Verschleiß. Die Wirtschaftlichkeit hängt an Laufstunden, nicht an installierter Leistung. Ausgelegt wird deshalb auf die Wärmegrundlast; die Spitzen übernimmt der bestehende Kessel als Spitzenlastkessel. Ein Pufferspeicher gleicht Schwankungen aus, sodass das Modul durchlaufen kann, statt bei jedem Zapfvorgang an- und auszugehen. Merke: Ein kleines, durchlaufendes Modul schlägt ein großes, taktendes.

Der Nutzen zeigt sich an mehreren Stellen deiner Rechnung, nicht nur an einer. Erstens sinkt die bezogene Arbeit in kWh — der Arbeitspreis wird auf weniger Kilowattstunden angewendet. Zweitens, und oft wichtiger bei RLM-Kunden: die abgerechnete Höchstlast in kW kann sinken, wenn das Modul zu den Zeiten der Lastspitze mitläuft. Der Leistungspreis wird auf diese eine höchste 15-Minuten-Viertelstunde des Abrechnungszeitraums bezogen — läuft das BHKW ausgerechnet dann nicht, bleibt dieser Posten unverändert. Drittens: Speist du Überschuss ein, taucht ein zweiter, deutlich kleinerer Betrag als Vergütung auf. Viertens wandert Kostenanteil von der Stromrechnung auf die Gasrechnung — dein Gasverbrauch steigt. Bewerte deshalb nie Strom- und Gasrechnung getrennt, sondern die Summe beider.

Ein BHKW ist keine reine Heiztechnik, sondern eine Stromerzeugungsanlage. Daraus folgt: Die Anlage muss beim Netzbetreiber angemeldet und im Marktstammdatenregister eingetragen werden. Das Messkonzept muss vorher stimmen — typischerweise brauchst du einen Zweirichtungszähler am Netzanschluss und einen eigenen Erzeugungszähler am Modul, damit erzeugte, eingespeiste und selbst verbrauchte Mengen sauber getrennt werden. Wer das nachträglich korrigiert, zahlt doppelt. Zusätzlich gibt es Regelungen zu KWK-Zuschlag, Energiesteuer auf das eingesetzte Gas und Umlagen auf selbst verbrauchten Strom — die konkreten Sätze und Bedingungen ändern sich und gehören vor der Bestellung schriftlich vom Fachplaner oder Netzbetreiber bestätigt, nicht aus einem Verkaufsprospekt übernommen.
Kein BHKW, wenn dein Haus saisonal schließt oder die Auslastung stark schwankt — dann fehlen die Laufstunden. Kein BHKW, wenn ohnehin eine Sanierung ansteht, die den Wärmebedarf halbiert: Danach ist das Modul zu groß. Kein BHKW als reines Notstromaggregat — dafür ist es die falsche Technik, da es üblicherweise netzparallel läuft und bei Netzausfall abschaltet, sofern keine Inselbetriebs-Fähigkeit ausdrücklich vorgesehen und freigegeben ist. Und Vorsicht bei Wirtschaftlichkeitsrechnungen, die mit hohen Volllaststunden und einer sehr hohen Eigenverbrauchsquote gleichzeitig rechnen — beides zusammen ist selten. Lass dir die unterstellten Stunden und die Eigenverbrauchsquote im Angebot einzeln ausweisen und gleiche sie mit deinen echten Verbrauchsdaten ab.
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