Volt-Ampere reaktiv (var): Was die Einheit einfach erklärt bedeutet

var (Volt-Ampere reaktiv) ist die Einheit, in der die Blindleistung gemessen wird – also der Teil der Leistung, der keine echte Arbeit verrichtet, aber trotzdem im Netz hin- und herpendelt. Sie steht neben Watt (Wirkleistung) und Voltampere/VA (Scheinleistung).
var steht für „Volt-Ampere reaktiv" und ist die Maßeinheit der Blindleistung Q. Blindleistung entsteht, wenn Strom und Spannung zeitlich verschoben sind – typisch bei Spulen und Kondensatoren, also Motoren, Trafos, Vorschaltgeräten oder Wechselrichtern. Diese Leistung wird nicht in Wärme, Bewegung oder Licht umgesetzt, sondern pendelt zwischen Erzeuger und Verbraucher. Größere Einheiten: 1 kvar = 1.000 var, 1 Mvar = 1.000.000 var.

Watt (W) misst die Wirkleistung P (echte Arbeit), var misst die Blindleistung Q (Pendel-Anteil), und Voltampere (VA) misst die Scheinleistung S (die Summe, die dein Netzanschluss tatsächlich tragen muss). Sie hängen über das Leistungsdreieck zusammen: S² = P² + Q². Der Leistungsfaktor cosφ = P/S zeigt, wie viel vom Scheinbaren echte Arbeit ist – bei cosφ 1,0 gibt es keine Blindleistung, bei cosφ 0,7 fließt fast so viel Blind- wie Wirkleistung.

Blindleistung erhöht den Strom in Leitungen, Trafos und Sicherungen, ohne Nutzen zu bringen. Das belastet deinen Anschluss zusätzlich (die scheinbare Last in VA steigt), erzeugt mehr Verluste und kann dazu führen, dass ein Netzanschluss oder Trafo früher an seine Grenze kommt. Kompensieren kannst du sie z. B. mit Kondensatoren (für induktive Blindleistung) oder über die Blindleistungsregelung des Wechselrichters.

Bei größeren Anschlüssen mit registrierender Leistungsmessung misst der Zähler nicht nur Wirkarbeit (kWh), sondern auch Blindarbeit (kvarh). Viele Netzbetreiber gewähren einen Freibetrag – häufig bis zu einem Leistungsfaktor von rund cosφ 0,9. Wird die vereinbarte Grenze überschritten, berechnet der Netzbetreiber die darüber liegende Blindarbeit als eigene Position (Blindarbeitspreis in ct/kvarh). Prüfe dazu die Vertragsbedingungen deines Netzbetreibers – die genaue Schwelle und der Preis sind dort geregelt.

Fehler entstehen oft im Messkonzept: falsch parametrierte Messwandler, ein Zähler ohne oder mit falscher Blindarbeitserfassung, oder eine Kompensationsanlage, die defekt oder abgeschaltet ist und dadurch unbemerkt hohe kvarh-Kosten verursacht. Auch die Verwechslung von cosφ-Freibetrag und tatsächlichem Verrechnungswert führt zu Streit. Ein Blick auf die Blindarbeits-Position der Rechnung und ein Abgleich mit den Lastgangdaten deckt das auf.
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