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Redispatch 3.0: SCADA & 15-Min-Fahrpläne migrieren

Stromfee Redaktion · 5. Juli 2026
Redispatch 3.0: SCADA & 15-Min-Fahrpläne migrieren
Technik & Blindleistung — Stromfee (KI-Bild)

Du willst deine Leittechnik (SCADA) und deine Fahrpläne auf das 15-Minuten-Raster des Redispatch umstellen und weißt nicht, wo du anfängst. Hier bekommst du die konkrete Reihenfolge, die Schnittstellen und die Fallstricke – ohne Marketing.

Kurz zum Status: Was „Redispatch 3.0" heute ist

Wichtig zur Einordnung: Rechtsverbindlich gilt aktuell Redispatch 2.0 (§§ 13, 13a EnWG, NABEG-Verfahren, scharf seit 01.10.2021). „Redispatch 3.0" ist bislang ein Diskussions-/Planungsbegriff für die Weiterentwicklung – etwa feinere Zeitraster, kleinere Einheiten (perspektivisch < 100 kW) und stärkere Automatisierung. Behandle alles, was über 2.0 hinausgeht, als geplant und nicht als geltende Pflicht. Deine Migration baust du deshalb konsequent auf dem 2.0-Datenmodell auf – das ist die tragfähige Grundlage und zukunftsfähig.

Migration in 6 Schritten

1) Rollen klären: Wer ist EIV (Einsatzverantwortlicher), BTR (Betreiber technischer Ressource) und DV (Datenverantwortlicher)? 2) Datenmodell wählen: Planwert- oder Prognosemodell. 3) Stammdaten in der Marktpartner-Kommunikation (Connect+ / EIV-Hub) sauber anlegen. 4) SCADA-Punkte auf das 15-Minuten-Zeitraster (Viertelstunde) und die geforderten Zeitreihen mappen. 5) Fahrplan- und Prognose-Zeitreihen als Testlauf senden und mit dem Netzbetreiber quittieren. 6) Aufforderungs- (Eingriff) und Duldungsfall im Livebetrieb prüfen. Erst wenn Schritt 5 sauber quittiert ist, gehst du produktiv.

Redispatch 3.0: SCADA & 15-Min-Fahrpläne migrieren
Technik & Blindleistung — Stromfee (KI-Bild)
Planwert- oder Prognosemodell – die Weiche

Deine erste echte Entscheidung: Beim Planwertmodell lieferst du selbst die Fahrplan-/Planwerte deiner Einheit, beim Prognosemodell übernimmt der Netzbetreiber die Erzeugungsprognose (typisch für kleinere oder wenig steuerbare Anlagen wie viele PV-Parks). Das Modell bestimmt, welche Zeitreihen dein SCADA liefern muss und wie viel Prognose-Logik bei dir liegt. Kläre das VOR der SCADA-Konfiguration – ein späterer Wechsel bedeutet Nacharbeit an Punktlisten und Schnittstellen.

SCADA-Anbindung: Punkte, Protokolle, Zeitreihen

Praktisch mappst du deine Leittechnik-Signale (Ist-Einspeisung, verfügbare Leistung, Sollwert-Rückmeldung) auf die Redispatch-Datenpunkte im 15-Minuten-Raster. Achte auf konsistente Zeitstempel (durchgängig eine Zeitbasis, Umgang mit Sommer-/Winterzeit), lückenlose Viertelstundenwerte und eine belastbare Übertragung der Sollwertvorgabe zurück in die Anlage. Steuerbarkeit (Reduzieren bzw. Abschalten auf Aufforderung) muss technisch nachweisbar sein – nicht nur die Messwertlieferung.

15-Minuten-Fahrpläne sauber aufsetzen

Fahrpläne und Prognosen laufen im Viertelstundenraster – also 96 Werte pro Tag. Prüfe: Werden Werte rechtzeitig vor Gate/Fristen gesendet? Sind Redispatch-Eingriffe (Aufforderungsfall) sauber von deinem freien Fahrplan getrennt? Wird die tatsächlich reduzierte Menge (Ausfallarbeit) korrekt ermittelt – sie ist die Basis für deine spätere Entschädigung. Teste bewusst Grenzfälle: Prognose-Null, Teilabregelung, Wiederhochfahren nach Eingriffsende.

Häufige Fehler vermeiden

Die typischen Stolperfallen: Zeitstempel-Chaos (Zeitzone/DST) verschiebt ganze Zeitreihen; Stammdaten in der Marktkommunikation stimmen nicht mit MaStR/Netzbetreiber überein; Duldungs- statt Aufforderungsfall wird verwechselt; die Ausfallarbeit wird nicht korrekt gemessen, was direkt Entschädigungsverluste bedeutet. Geh mit dem Netzbetreiber in einen dokumentierten Testbetrieb, bevor du live schaltest – und friere die Punktliste erst nach der Quittierung ein.

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