BHKW-Blindleistung im Hotel: Wenn die Contracting-Altlast dich Geld kostet

Kurz gesagt: Dein BHKW könnte die Blindleistung deines Hotels selbst liefern, tut es aber meist nicht – weil der Contracting-Betreiber den Generator auf einen festen Wert (oft cosφ 1) eingestellt hat. Dann deckt das BHKW nur Wirkleistung, während der Netzbetreiber deine Blindarbeit weiter separat abrechnet.
Ein BHKW mit Synchrongenerator kann grundsätzlich Blindleistung bereitstellen – über die Erregung lässt er sich über- oder untererregt fahren. In vielen Contracting-Anlagen ist der Generator aber fest auf cosφ ≈ 1 parametriert: Er speist nur Wirkleistung ein. Die induktiven Verbraucher deines Hotels (Lüftung, Kälte, Aufzüge, Motoren, Trafos) ziehen ihre Blindleistung also weiter aus dem Netz. Ergebnis: Der Netzbetreiber misst Blindarbeit (kvarh) und stellt sie dir in Rechnung, obwohl im Keller ein Generator steht, der sie liefern könnte.

1) Netzrechnung ansehen: Taucht eine Position 'Blindarbeit' oder 'Blindmehrarbeit' in kvarh auf, zahlst du dafür. Üblich ist ein Freibetrag bis cosφ 0,9 (tanφ 0,484), darüber wird abgerechnet. 2) Zählwerte lesen: Der Wirk- und Blindarbeitszähler am Netzanschluss zeigt, wie viel Blindleistung wirklich aus dem Netz kommt. 3) BHKW-Einstellung erfragen: Lass dir vom Contractor die eingestellte cosφ- bzw. Erregungsvorgabe des Generators geben. Steht dort cosφ 1 fest, liegt genau hier die Altlast.

Beim Contracting gehört dir die Wärme, aber Betrieb und Parametrierung des BHKW liegen beim Contractor. Der optimiert typischerweise auf Wärme und Stromeinspeisung – nicht auf die Blindleistungsbilanz deines Hausanschlusses. Die cosφ-Vorgabe wird oft bei Inbetriebnahme einmal gesetzt und nie wieder angefasst. So schleppst du über die gesamte Vertragslaufzeit Blindarbeitskosten mit, die technisch vermeidbar wären. Das ist die eigentliche Altlast: nicht defekte Technik, sondern eine nie hinterfragte Einstellung.

Blindleistung berechnet sich über das Leistungsdreieck: Q = √(S²−P²) = S·sinφ. Bei einem schlechten Leistungsfaktor von cosφ 0,7 fließt fast so viel Blind- wie Wirkleistung – der Generator hätte hier den größten Hebel. Beispiel: Zieht dein Hotel 200 kW Wirkleistung bei cosφ 0,8, sind das rund 150 kvar Blindleistung, die entweder das BHKW oder das Netz liefern muss. Je größer die induktive Grundlast (Lüftung, Kälteanlagen), desto lohnender ist es, den Generator diese Last mittragen zu lassen.

Option A – BHKW nachparametrieren: Den Contractor beauftragen, den Generator leicht übererregt (z. B. cosφ 0,9 abgebend) zu fahren, damit er die Hotel-Blindleistung mitdeckt. Das ist meist ohne Hardware machbar und die günstigste Lösung. Option B – Blindstromkompensation: Eine Kompensationsanlage (Kondensatoren) am Netzanschluss ergänzt, was BHKW und Bestand nicht abdecken. Option C – Vertrag prüfen: Kläre, wer die Blindarbeitskosten trägt und ob eine Anpassung der Fahrweise vertraglich vereinbart werden kann. Vor jeder Maßnahme sollten die realen Blindarbeitswerte über einen Lastgang belegt werden.
Verlange einen Nachweis der aktuellen cosφ-Fahrweise und einen Lastgang von Wirk- und Blindarbeit am Anschluss. Frag konkret: Kann der Generator die Hotel-Blindleistung ohne Ertragsverlust bei der Stromeinspeisung mittragen? Und: Wer profitiert von der eingesparten Blindarbeit – du oder der Contractor? Diese Fragen entscheiden, ob eine reine Software-Umstellung reicht oder ob sich zusätzlich eine Kompensationsanlage rechnet.
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