Scheinleistung Wechselrichter: was die kVA-Zahl meint

Die kVA-Zahl ist die Obergrenze, die dein Wechselrichter an seinen AC-Klemmen abgeben darf — als Momentanwert, nicht als Jahresertrag. Sie gilt für Wirk- und Blindleistung zusammen: was an Blindleistung abgeht, fehlt dir bei den Kilowatt.
Drei Dinge stecken in der kVA-Zahl. Erstens: Sie gilt am Wechselstrom-Ausgang, also an der AC-Klemme — nicht auf der Modulseite. Zweitens: Sie ist ein Momentanwert in Kilovoltampere, keine Energiemenge in Kilowattstunden; über den Tag sagt sie dir nichts. Drittens: Sie ist die gemeinsame Decke für Wirkleistung (kW) und Blindleistung (kvar). Beide zusammen dürfen die kVA-Zahl nicht überschreiten, und sie addieren sich nicht linear, sondern über S² = P² + Q².

Ein dreiphasiger Wechselrichter mit 15 kVA an 400 V. Der Dauerstrom je Außenleiter: I = S / (√3 · U) = 15.000 / (1,732 · 400) ≈ 21,7 A — das ist die Zahl, an der sich Leitung und Sicherung orientieren. Die Wirkleistung: P = S · cos φ. Bei cos φ 0,90 sind das 13,5 kW, dazu rund 6,5 kvar Blindleistung. Umgekehrt gerechnet: Gibt dir der Netzbetreiber 4 kvar vor, bleiben √(15² − 4²) ≈ 14,5 kW übrig. Die fehlenden 0,5 kW sind nicht kaputt — sie sind in der Blindleistung gebunden.

Die Datenblatt-kVA ist eine Zusage unter Bedingungen. Erstens Temperatur und Kühlung: Wird es im Technikraum zu warm oder ist die Anlage hoch gelegen, drosselt das Gerät selbst (Derating) — das steht als Kurve im Datenblatt. Zweitens die Netzspannung: Liegt sie unter dem Nennwert, braucht dieselbe Scheinleistung mehr Strom, und der Strom ist die harte Grenze der Endstufe. Drittens die cos-φ- oder Q(U)-Vorgabe deines Netzbetreibers: Jedes kvar geht von den Kilowatt ab. Viertens das DC-Angebot: Ohne Sonne oder Speicherladung ist die Scheinleistung nur eine Möglichkeit, kein Wert.

Viele Datenblätter führen zwei kVA-Zahlen. Die Nennscheinleistung ist der Wert, den das Gerät dauerhaft und unter Nennbedingungen liefert. Die maximale Scheinleistung ist ein kurzzeitiger oder nur unter günstigen Bedingungen erreichbarer Wert. Für Anmeldung, Leitungsdimensionierung und jede Rechnung nimmst du die Nenn- beziehungsweise Dauerzahl. Wenn du zwei Werte findest und nicht weißt, welcher gemeint ist: Die kleinere Zahl bindet.

kWp beschreibt die Modulleistung unter Testbedingungen — Gleichstromseite. kVA ist die Scheinleistungs-Decke des Wechselrichters am Netz. kW ist die Wirkleistung, die tatsächlich fließt, und die hängt vom cos φ ab. Dass die Module mehr kWp haben als der Wechselrichter kVA, ist normal und gewollt (DC-Überbelegung); die Spitzen werden gekappt, der Rest des Jahres gewinnt. Was die kVA-Zahl dagegen nicht sagt: Jahresertrag, Wirkungsgrad, Speichergröße.
Die Scheinleistung ist die Bezugsgröße für die Anmeldung. An ihr hängen unter anderem die Grenze für einphasige Einspeisung wegen Schieflast (in der VDE-AR-N 4105 mit 4,6 kVA angesetzt) und die Frage, ob dein Gerät in die feste cos-φ-Vorgabe oder in eine Kennlinie fällt — die 13,8-kVA-Marke ist hier der übliche Sprung. Verbindlich ist immer das, was dein Verteilnetzbetreiber in seinen technischen Anschlussbedingungen und im Anschlussbescheid schreibt; die Norm gibt nur den Rahmen. Und: Ab etwa 63 A je Phase, also grob 43 kVA, wird üblicherweise über Wandler gemessen statt direkt.
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