Blindleistung einfach erklärt: Was ist Q?

Q ist die Blindleistung, gemessen in var (Volt-Ampere reaktiv). Sie verrichtet keine nutzbare Arbeit, pendelt aber ständig zwischen Erzeuger und Verbraucher hin und her – und belastet dabei Leitungen, Trafos und deine Abrechnung.
Q (Blindleistung) ist der Teil des Stroms, der nur die Magnetfelder in Spulen, Motoren und Trafos oder die elektrischen Felder in Kondensatoren auf- und abbaut. Diese Energie wird nicht verbraucht, sondern pendelt 50-mal pro Sekunde vor und zurück. Ihr Formelzeichen ist Q, ihre Einheit var (Volt-Ampere reaktiv) – bewusst nicht Watt, weil sie eben keine Wirkarbeit leistet.

Es gibt drei Leistungen: Wirkleistung P (in W, macht die Arbeit), Blindleistung Q (in var, baut Felder auf) und Scheinleistung S (in VA, das was das Netz tatsächlich transportiert). Sie bilden das Leistungsdreieck: S² = P² + Q². Daraus folgt Q = √(S² − P²) = S · sin φ = P · tan φ. Bei Drehstrom gilt Q = √3 · U · I · sin φ. Der Winkel φ ist die Phasenverschiebung zwischen Strom und Spannung.

Jeder Verbraucher mit Spule – Elektromotor, Transformator, Vorschaltgerät, Pumpe – braucht ein Magnetfeld, um zu funktionieren. Dieses Feld muss in jeder Halbwelle aufgebaut und wieder abgebaut werden. Der Strom, der das tut, ist die induktive Blindleistung; er eilt der Spannung nach. Kondensatoren machen das Gegenteil (kapazitive Blindleistung, Strom eilt vor). Beide addieren im Netz nichts zur Arbeit, verbrauchen aber Kapazität auf jeder Leitung.

cos φ = P / S beschreibt, wie viel vom transportierten Strom wirklich arbeitet. Bei cos φ = 1 ist alles Wirkleistung, Q = 0. Bei cos φ = 0,7 fließt fast so viel Blind- wie Wirkleistung – das Netz schleppt viel mit, ohne Nutzen. Je kleiner cos φ, desto größer der Blindanteil Q und desto höher deine Netzbelastung.

Für Haushalte wird Blindarbeit nicht abgerechnet – dein Zähler misst nur Wirkarbeit in kWh. Bei Gewerbe- und Industriekunden mit registrierender Leistungsmessung ist das anders: Der Netzbetreiber gibt in der Regel einen Grenz-Leistungsfaktor vor (üblich cos φ ≥ 0,9). Bezieht die Anlage darüber hinaus Blindarbeit, wird diese als Blindmehrarbeit (in kvarh) separat berechnet. Prüfe dazu deinen konkreten Netzanschluss- bzw. Liefervertrag – die Schwellen und Preise legt der jeweilige Netzbetreiber fest.
Blindleistung lässt sich kompensieren, statt sie über weite Wege zu transportieren. Kondensatoren am Verbraucher liefern die induktive Blindleistung lokal – das ist die klassische Blindstromkompensation. Ergebnis: cos φ steigt Richtung 1, Q sinkt, Leitungen und Trafo werden entlastet und mögliche Blindarbeitskosten fallen weg. Bei größeren Anlagen regeln automatische Kompensationsanlagen den Bedarf lastabhängig nach.
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