Scheinleistung: Definition und einfache Erklärung

Scheinleistung ist die Leistung, die dein Netz tatsächlich bereitstellen muss – gemessen in Voltampere (VA), nicht in Watt. Sie ergibt sich aus Spannung mal Strom und ist immer größer oder gleich der Wirkleistung, die du wirklich nutzt.
Die Scheinleistung S ist das Produkt aus Effektivspannung und Effektivstrom (S = U · I) und wird in Voltampere (VA) angegeben. Sie beschreibt die gesamte Leistung, die durch die Leitung fließt – unabhängig davon, wie viel davon in nutzbare Arbeit umgesetzt wird. Deshalb steht sie auch auf dem Typenschild von Trafos und Generatoren.

Es gilt S = U · I. Bei Drehstrom rechnest du S = √3 · U · I mit der verketteten Spannung (400 V). Zwischen den drei Leistungsarten besteht der Zusammenhang S² = P² + Q²: Die Scheinleistung ist die geometrische Summe aus Wirkleistung P (in Watt) und Blindleistung Q (in var). Anschaulich bilden diese drei das sogenannte Leistungsdreieck.

Wirkleistung P (Watt) leistet die eigentliche Arbeit: Wärme, Licht, Bewegung. Blindleistung Q (var) pendelt zwischen Netz und Verbraucher hin und her, ohne Arbeit zu verrichten – sie entsteht z. B. an Motoren und Spulen. Die Scheinleistung S (VA) umfasst beide zusammen. Nur bei rein ohmschen Verbrauchern (cosφ = 1) sind S und P gleich groß.

Das Verhältnis von Wirk- zu Scheinleistung ist der Leistungsfaktor: cosφ = P / S. Ein cosφ von 1 bedeutet, dass die gesamte Scheinleistung als Wirkleistung genutzt wird. Sinkt cosφ (z. B. auf 0,7), fließt viel Blindleistung mit – das Netz muss mehr Scheinleistung liefern, obwohl die nutzbare Wirkleistung gleich bleibt. Genau deshalb versuchen Betriebe, ihren cosφ nahe 1 zu halten.

Bei privaten Haushalten zählt der Zähler nur die Wirkarbeit in kWh – Scheinleistung siehst du dort nicht direkt. Bei gewerblichen Anschlüssen mit Leistungsmessung ist das anders: Dein Netzbetreiber misst zusätzlich die Blindarbeit (kvarh). Überschreitest du eine vereinbarte Grenze (meist bei einem cosφ unter etwa 0,9), wird die überschüssige Blindarbeit gesondert berechnet. Zudem richtet sich der Leistungspreis nach der bezogenen Leistung – ein schlechter Leistungsfaktor treibt die benötigte Scheinleistung und damit deine Kosten nach oben.
Ein niedriger cosφ lässt sich durch Blindleistungskompensation korrigieren – üblicherweise mit Kondensatoranlagen, die den induktiven Blindleistungsbedarf von Motoren ausgleichen. Dadurch sinkt die benötigte Scheinleistung, Leitungen und Trafos werden entlastet und Blindarbeitskosten entfallen. Ein Fachbetrieb misst dazu deinen realen Leistungsfaktor über einen typischen Betriebstag.
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