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Kann ein Wechselrichter Blindleistung ohne Wirkleistung liefern?

Stromfee Redaktion · 5. Juli 2026
Kann ein Wechselrichter Blindleistung ohne Wirkleistung liefern?
Technik & Blindleistung — Stromfee (KI-Bild)

Kurze Antwort: Ja, viele moderne Wechselrichter können reine Blindleistung bereitstellen – auch dann, wenn gerade keine Wirkleistung erzeugt wird. Voraussetzung ist, dass dein Gerät diese Betriebsart unterstützt und mit dem Netz verbunden bleibt.

Ja – aber nur unter drei Bedingungen

Ein Wechselrichter kann Blindleistung ohne Wirkleistung liefern, wenn: (1) das Gerät die Funktion unterstützt (oft „Q at Night“ oder STATCOM-Betrieb genannt), (2) es am Netz angeschlossen und aktiv bleibt, und (3) die abgegebene Blindleistung innerhalb der Nenn-Scheinleistung liegt. In diesem Zustand ist P=0 und der Leistungsfaktor cosφ=0 – der Wechselrichter schiebt nur Blindleistung, keine Wirkleistung.

Kann ein Wechselrichter Blindleistung ohne Wirkleistung liefern?
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Was „ohne Wirkleistung“ technisch heißt

Es gilt immer S²=P²+Q². Wird die Wirkleistung P zu null, ist die gesamte Scheinleistung S reine Blindleistung Q. Der Strom fließt dann um 90° phasenverschoben zur Spannung – er transportiert keine nutzbare Energie, hält aber das Netz stabil. Deshalb ist cosφ=P/S in diesem Fall null.

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Was dein Wechselrichter dafür können muss

Nicht jedes Gerät kann das. Es braucht eine Regelung, die auch ohne PV-Ertrag (z. B. nachts) am Netz bleibt und Blindleistung stellt. Prüfe im Datenblatt oder beim Hersteller nach Begriffen wie „Blindleistung bei Nacht“, „Q(U)“, „cosφ(P)“ oder „STATCOM-Funktion“. Fehlt die Funktion, schaltet der Wechselrichter bei P=0 einfach ab.

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Was der Netzbetreiber dazu sagt

Blindleistungsbereitstellung ist keine reine Kür: Netzbetreiber können sie im Rahmen der Anschlussregeln fordern – für Niederspannung nach VDE-AR-N 4105, für Mittelspannung nach VDE-AR-N 4110. Übliche Modi sind fester cosφ, cosφ(P) oder die spannungsabhängige Kennlinie Q(U). Die konkrete Vorgabe steht in deinem Netzanschlussvertrag bzw. der Anlagenzertifizierung – kläre sie mit deinem Netzbetreiber ab, bevor du den Modus aktivierst.

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Grenzen: Scheinleistung und Eigenbedarf

Die Blindleistung ist durch die Nenn-Scheinleistung des Wechselrichters begrenzt. Da bei reinem Blindleistungsbetrieb P=0 ist, kann Q rechnerisch bis nahe an die Nenn-Scheinleistung reichen – der genaue Wert hängt vom Gerät ab. Beachte außerdem: Auch ohne Erzeugung zieht der Wechselrichter etwas Wirkleistung aus dem Netz, um Elektronik und Verluste zu decken.

Wann sich das lohnt

Sinnvoll ist reine Blindleistung vor allem zur Spannungshaltung im Netz und wenn der Netzbetreiber sie ausdrücklich verlangt. In manchen Konstellationen wird die Bereitstellung vergütet oder ist Voraussetzung für den Anschluss. Für den reinen Eigenverbrauch bringt sie dir dagegen keinen direkten Nutzen – sie stützt das Netz, nicht deine Stromrechnung.

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Blindleistung ist der Teil der Leistung, den deine PV-Anlage bereitstellt, ohne dass daraus nutzbare Arbeit wird. Sie pendelt zwischen Anlage und Netz hin und her und wird in var (Volt-Ampere reaktiv) gemessen — im Unterschied zur Wirkleistung in Watt, die du tatsächlich einspeist oder verbrauchst. Zusammen ergeben beide die Scheinleistung: S² = P² + Q². Für deine Anlage heißt das konkret: Der Wechselrichter kann den Strom gegenüber der Spannung phasenverschoben einspeisen (Verschiebungsfaktor cos φ) und dabei Blindleistung induktiv aufnehmen oder kapazitiv abgeben. Das ist kein Defekt und kein Verlust an Ertrag im eigentlichen Sinn, sondern eine Funktion, die der Netzbetreiber ausdrücklich verlangt — Blindleistung stützt die Spannung im Verteilnetz, und genau dafür wird dein Wechselrichter mit herangezogen.

Praktisch läuft das über die Vorgabe des Netzbetreibers nach VDE-AR-N 4105 (Niederspannung) beziehungsweise VDE-AR-N 4110 (Mittelspannung). Üblich sind ein fester cos φ, eine Kennlinie cos φ(P), die die Phasenverschiebung mit steigender Einspeiseleistung nachführt, oder eine Q(U)-Regelung, die die Blindleistung nach der Netzspannung am Anschlusspunkt steuert. Was für dich gilt, steht im Netzanschluss- beziehungsweise Einspeisezusagen-Schreiben deines VNB — dort nachsehen, dann im Wechselrichter unter den Netzparametern prüfen, ob genau dieser Modus eingestellt ist. Drei Punkte, die du im Blick behalten solltest: Erstens kostet Blindleistung Strombelastbarkeit — bei cos φ 0,9 fließt mehr Strom für dieselbe Wirkleistung, der Wechselrichter kann seine Wirkleistung an der Scheinleistungsgrenze abregeln. Zweitens wird Blindleistung bei EEG-Anlagen nach der Vorgabe des VNB geliefert und in der Regel nicht separat vergütet. Drittens: Eine falsch eingestellte Kennlinie oder ein nach Wartung zurückgesetzter Wechselrichter fällt oft jahrelang nicht auf — sichtbar wird das erst, wenn du Wirk- und Blindleistung am Zähler getrennt ausliest und mit der VNB-Vorgabe vergleichst.

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