Wirtschaftlichkeitsberechnung für deine Biogasanlage

Du willst wissen, ob sich deine Biogasanlage rechnet — und wie du das belastbar berechnest. Hier bekommst du die Formel, die relevanten Erlös- und Kostenpositionen und die Kennzahlen, auf die es wirklich ankommt.
Im Kern ist die Rechnung einfach: Du stellst allen Jahres-Erlösen (Strom, Wärme, ggf. Gas- oder THG-Erlöse) alle Jahres-Kosten (Substrat, Wartung, Personal, Kapitaldienst) gegenüber. Bleibt ein Überschuss, teilst du die Investition durch diesen Überschuss und erhältst die grobe Amortisationszeit in Jahren. Für eine seriöse Bewertung rechnest du zusätzlich mit Kapitalkosten (interner Zinsfuß / Kapitalwert), nicht nur mit der einfachen Amortisation.

Auf der Erlösseite stehen: die Stromvergütung (feste EEG-Vergütung oder Marktprämie plus Vermarktungserlös bei Direktvermarktung), die Wärmeerlöse aus verkaufter oder selbst genutzter Wärme (oft der entscheidende Hebel für die Wirtschaftlichkeit) und je nach Konzept Erlöse aus Gasaufbereitung/-einspeisung oder THG-Quote. Rechne jede Position mit deiner tatsächlichen Jahresmenge in kWh und dem für deine Anlage gültigen Preis — nicht mit Pauschalwerten.

Auf der Kostenseite gehören dazu: Substrat- bzw. Rohstoffkosten (meist der größte Block), Instandhaltung und Wartung (Motor, Rührwerke, Pumpen), Personal, Versicherung, Reststoff-/Gärrestverwertung, Strom-Eigenbedarf sowie der Kapitaldienst (Zins und Tilgung aus der Investition). Kalkuliere Rücklagen für Motor-Generalüberholungen ein — sie fallen nicht jährlich an, verzerren aber sonst die Jahre, in denen sie anstehen.

Achte besonders auf: Volllaststunden (viele Biogas-BHKW können über 8.000 Betriebsstunden pro Jahr laufen — je näher dran, desto besser die Anlagenausnutzung), Wärmenutzungsgrad (ungenutzte Abwärme ist verschenkter Erlös), Stromgestehungskosten (alle Kosten geteilt durch erzeugte kWh) und den internen Zinsfuß. Diese Kennzahlen zeigen dir schneller als jeder Jahresüberschuss, wo dein Geld hängen bleibt.

1. Erfasse die reale Jahres-Stromerzeugung (kWh) aus deinen Betriebsdaten. 2. Trage alle Erlöspositionen mit echten Mengen und Preisen ein. 3. Liste alle Kostenpositionen inklusive Kapitaldienst und Rücklagen auf. 4. Bilde den Jahresüberschuss und die Amortisationszeit. 5. Prüfe die Kennzahlen und rechne mindestens ein pessimistisches Szenario (höhere Substratpreise, geringere Wärmeabnahme) mit. So siehst du, wie robust deine Anlage wirklich ist.
Eine Biogasanlage ist kein simples Kraftwerk, das durchläuft — sie kann flexibel dann Strom erzeugen, wenn die Marktpreise hoch sind. Wenn du in der Direktvermarktung bist, verändert ein optimierter Fahrplan (Gasspeicher füllen, BHKW zu Hochpreisstunden fahren) deine Erlösseite spürbar. Rechne deshalb nicht nur mit einem Durchschnittspreis, sondern prüfe, welchen Mehrerlös eine bedarfsgerechte Fahrweise bringt — genau hier setzt datengestützte Optimierung an.
Ja, eine belastbare Wirtschaftlichkeitsberechnung für deine Biogasanlage kannst du komplett in Excel abbilden – du brauchst dafür keine Spezialsoftware. Eine Wirtschaftlichkeitsberechnung stellt einfach alle Erlöse den Kosten über die gesamte Laufzeit (bei EEG-Anlagen typischerweise 20 Jahre) gegenüber und zeigt dir, ob und ab wann sich die Anlage rechnet. Lege dafür am besten drei Blätter an: (1) Eingaben – die Stellschrauben, die du variierst; (2) Jahres-Cashflow – eine Zeile pro Betriebsjahr; (3) Kennzahlen – das Ergebnis. Ins Eingabe-Blatt gehören die elektrische Leistung des BHKW (in kW), die geplanten Volllaststunden pro Jahr, deine Substratmengen und -preise, die Investitionssumme (Fermenter, BHKW, Gasspeicher, Bau) sowie die laufenden Kosten für Wartung, Personal, Versicherung und Reparaturrücklage. Trenne konsequent Annahmen (Eingaben) von Formeln, damit du am Ende nur an den Eingabefeldern drehst und alle Ergebnisse automatisch mitrechnen.
Rechne im Cashflow-Blatt zuerst die jährliche Stromerzeugung aus (elektrische Leistung × Volllaststunden = Jahres-kWh) und multipliziere sie mit deiner Vergütung bzw. dem Marktprämien-Erlös; ergänze Wärmeerlöse und mögliche Zusatzerlöse wie die Flexibilitätsprämie. Davon ziehst du je Jahr die Substrat-, Wartungs- und Betriebskosten ab – so erhältst du den jährlichen Überschuss. Für die Kennzahlen nutzt du Excels eingebaute Finanzfunktionen: =NBW() (bzw. =XKAPITALWERT() bei unregelmäßigen Terminen) liefert dir den Kapitalwert bei einem gewählten Kalkulationszins, und =IKV() bzw. =XINTZINSFUSS() den internen Zinsfuß (die Rendite) deiner Investition. Die einfache Amortisationszeit findest du, indem du die kumulierten Überschüsse aufaddierst und schaust, in welchem Jahr die Summe die Investition übersteigt. Baue zusätzlich eine kleine Szenario-Rechnung ein (z. B. Substratpreis +/− 20 %, Volllaststunden hoch/runter über die Excel-Datentabelle), denn genau diese Faktoren entscheiden bei Biogas über Gewinn oder Verlust. Wichtig: Rechne mit deinen realen Anlagen- und Substratwerten – pauschale Faustzahlen aus dem Netz führen bei Biogasanlagen wegen der stark schwankenden Substratkosten schnell in die Irre.
→ Vertiefung: Formel Blindleistung: So berechnen Sie einfach & schnell
→ Ausführlich zu biogasanlage berechnung: Wirkungsgrad deiner Biogasanlage berechnen und optimieren
→ Ausführlich zu biogas wirtschaftlichkeitsberechnung: Biogasanlage Wirtschaftlichkeitsberechnung – so rechnest du sie